Sonntag, 4. März 2012

Die Altstadt von Jerusalem

Die Tatsache, dass uns Jerusalem trotz strömendem Regen, Wind und ungastlichen 5 Grad in seinen Bann gezogen hat, spricht wohl für sich. Gedanklich noch immer mit Eindrücken aus Ramallah beschäftigt, kamen wir wieder in Jerusalem an. Da wir noch etwas freie Zeit zur Verfügung hatten bevor wir unseren Guide Jonathan treffen sollten, konnten wir in kleinen Gruppen vom Damaskustor aus in Souk gehen, uns treiben lassen, zu Mittag essen und einfach die Umgebung auf uns wirken lassen. Vom Schabbat, der noch in vollem Gange war, war hier nichts zu spüren. Überall standen und liefen Menschen herum, wurden Waren angepriesen, begutachtet und gehandelt, zwischendurch immer mal wieder die mittlerweile so vertraute Sicht von Soldaten mit Maschinengewehren.

Um 14.00 trudelten alle wieder wohlbehalten und gestärkt am Damaskustor ein. Die Gruppe wurde geteilt, Herr Wittstock sollte den einen, Yonathan den anderen Teil durch Jerusalem führen. Zwar sollten wir die gleichen Sehenswürdigkeiten besichtigen, aber in unterschiedlicher Reihenfolge um allzu großes Chaos zu vermeiden.

Der erste Stopp, wobei das Wort eigentlich hier fehl am Platze ist, ist die Via Dolorosa. Oder besser gesagt ihre erste Station. Die Via Dolorosa ist der Weg den Jesus damals angeblich mit dem Kreuz gegangen ist. Sie besteht aus 14 Stationen die sich durch die Altstadt Jerusalems ziehen. An jeder der Stationen hat sich ein bestimmtes, mehr oder weniger bedeutsames, Ereignis der Kreuzigung zugetragen. Die Via Dolorosa endet in der Grabeskirche am Heiligen Grab. Aus Zeitgründen besichtigten wir nicht jede Station ausführlich, aber unser Führer weist uns immer mal wieder auf die römischen Nummern hin, die jede Station kennzeichnen. Wir laufen durch die schmalen Gassen des Souks in Richtung Grabeskirche, sie wird als Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu angesehen. Die Grabeskirche verdeutlicht das Chaos das religions- und somit oft auch verwaltungstechnisch in Jerusalems Kirchen herrscht: stolze sechs christliche Konfessionen sind an der Verwaltung der Grabeskirche beteiligt: Griechisch-Orthodoxe, welche die Hauptverwaltung haben, die Römisch-Katholische Kirche (wird durch den Franziskaner Orden vertreten), die Armenisch Apostolische Kirche, die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, die Kopten und die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche. Die widersprüchlichen Interessen dieser Glaubensgruppen haben bis jetzt auch eine Renovierung der Kirche erschwert, wenn nicht sogar fast unmöglich gemacht.

Es ist beeindruckend zu sehen wie viele Gläubige sich in der Kirche tummeln, ewig in der Schlange warten um die Stelle zu sehen an der angeblich das Kreuz stand, oder um einmal in die vermutete Grabkammer von Jesus zu gehen. Im Anschluss an die Grabeskirche haben wir die Gelegenheit uns etwas mehr mit dem muslimischen Jerusalem zu beschäftigen. Unsere Guide führt uns wieder auf den Souq und gibt uns eine Stunde Zeit diesen auf eigene Faust zu erkunden, warnt uns allerdings uns nicht zu verlaufen. Das ist gar nicht so einfach, viele Gassen sehen sich unglaublich ähnlich: in den meisten reihen sich Gewürz- an Stoff- und Souvenirhändler. Aber es gibt auch Goldschmiede, T-Shirt Stände und Händler mit Räucherwerk. Trotz des strömenden Regens und des kalten Winds genießen wir die freie Zeit und stöbern an den Ständen nach Mitbringseln für zuhause. Als Mittel gegen die Kälte probieren wir eine Art flüssigen Grießbrei mit Zimt und Lavendelblüten. Es schmeckt zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr lecker.

Nachdem sich unsere Gruppe wieder zusammengefunden hat, gehen wir ins jüdische Viertel. Es steht in einem starken Kontrast zu dem belebten Souk. Das liegt aber, so versichert uns unser Tourguide, daran dass immer noch Schabbat ist. Während in Tel Aviv nach Aussagen unserer israelischen Freunde das Leben noch weitergeht, scheint es in Jerusalem wirklich und wahrhaftig innezuhalten. Die Straßen sind wie ausgestorben, aus den Häusern dringen weder Musik noch laute Stimmen.
Yonathan führt uns zu den Ausgrabungsstätten des antiken jüdischen Viertels. Ein besonders vorsichtiges Vorgehen ist bei den Ausgrabungen notwendig, nicht nur aus archäologischer Sicht, sondern besonders durch die Nähe zum Tempelberg. Die Ausgrabungen liegen gute acht Meter unterhalb der Straße. Die Stelle die wir uns anschauen zeigt die Reste einer römischen Straße die vermutlich zum Mark führte, und einen Teil der alten Stadtmauer.

Die Klagemauer besuchen wir nicht nochmal, sie stand gestern auf dem Programm. Stattdessen führt uns Yonathan zu einem Aussichtspunkt ganz in der Nähe der Ausgrabungen von dem aus wir fast die ganze Altstadt sehen können. Besonders der goldene Dom bietet einen Kontrast zum leider immer noch sehr grauen Himmel. Gestern haben wir genau auf der anderen Seite der Aussicht gestanden und dorthin geblickt wo wir nun stehen. Direkt hinter uns steht eine riesige goldene Menora unter einer Glaskuppel. Es ist geplant sie in den prophezeiten dritten Tempel zu stellen. Yonathan meint dass sei zwar etwas optimistisch, aber gut dass vorgesorgt sei.  Besonders passend zu der Aussicht die wir genießen ist ein Zitat des Literaturnobelpreisträgers Shmuel Yosef Agnon der schreibt dass ein Mensch über die Dächer von Jerusalem von einem Ende der Stadt zum anderen kommen kann. Jerusalem ist eine Stadt die durch Häuser verbunden, aber durch Einwohner getrennt wird.

Der Aussichtspunkt ist der krönende Abschluss der Tour. Auch wenn wir traurig sind die Altstadt von Jerusalem zu verlassen, werden wir bestimmt mit mehr Zeit (und hoffentlich Sonne) wiederkommen.

Samstag, 3. März 2012

Gespräche in Ramallah


Unser Ausflug in die Palästinensergebiete führt uns nach Ramallah im Westjordanland. Man erklärt uns vor Ort, dass Ramallah nicht die "generelle Situation" in Palästina  widerspiegeln könnte, da das Leben in dieser Stadt eine positive Ausnahme zum Leben im restlichen Westjordanland darstelle - Ramallah sei wie eine Blase. Nachdem wir, zu unserer Überraschung ohne Passkontrolle, den Checkpoint zum Westjordanland und somit die Grenzanlagen überwunden haben, bekommen wir zum ersten Mal einen Einblick in die Stadt. Die Umstände gleichen eher einem Entwicklungs-, als einem Industrieland, in den Straßen sammelt sich der Müll. Auf den zweiten Blick jedoch sieht man, dass überall gebaut wird und die Stadt sich immer weiter wiederaufbaut und sich zwischen den Kleinwagen nicht selten ein Mercedes oder BMW seinen Weg durch Straßen bahnt.

Unser erstes Treffen in Ramallah hatten wir mit Mahmoud Labdi, dem Medienbeauftragten für Internationale Beziehungen der Fatah. Unter den Augen von Jassir Arafat und Mahmut Abbas, deren Porträts die Wände des Fatah-Büros schmückten, stellt er uns seine Sicht auf den Konflikt vor. Er beschreibt die aktuelle Lage als sehr negativ und sagt, dass er keinen Ausweg daraus sieht, da die israelische Regierung der „neuen Rechten“ durch Expansionsstreben zu keinerlei Zugeständnissen bereit sei. Er spricht über jedes Thema mit dem Feindbild Israel im Hintergrund. Seine Rhetorik ist viel mehr auf Konfrontation angelegt, als auf Kompromiss, so scheint es. So sieht er etwa den Irankonflikt als reine Ablenkung der israelischen Seite, um die Probleme der Besatzung herunterzuspielen und ist der Meinung, dass der Iran durch sein Verhalten die Situation der Palästinenser verschlechtert. Er spricht auch sehr kritisvh über die Streitigkeiten innerhalb der Palästinenser zwischen Hamas und Fatah - dadurch, so Labdi,  profitierten nämlich die Israelis . Auf Nachfrage jedoch gibt er zu, dass es durchaus auch einige Palästinenser gebe, die etwas gegen eine Versöhnung der beiden stärksten Kräfte hätten, da auch sie durch den aktuellen Konflikt profitierten. Damit erklärt er auch die Spaltung innerhalb der Hamas, die die Verhandlungen zum Stocken gebracht habe, so dass er keinerlei Angabe zu möglichen Neuwahlen machen könne. Die aktuelle Strategie der PLO, gewaltfreien Widerstand zu leisten, so sagt er, sei alternativlos, da die Palästinenser keine militärisch-starken Verbündeten hinter sich hätten, um eine kriegerische Auseinandersetzung gewinnen zu können und auch der Terror der zweiten Intifada den Palästinensern keinerlei Verbesserung gebracht habe. Die neue Taktik setze auf Demonstrationen, um von innen heraus Druck auszuüben und auf internationale Aktivitäten (UN-Aufnahme, usw.), um den Druck von außen zu erhöhen. Das Ziel der neuen Strategie sei es, Israel durch internationalen Druck zu Zugeständnissen zu bewegen. Hierzu fordere man von Deutschland, dass die, von den Palästinensern nachvollziehbare Solidarität mit den Israelis nicht auf Kosten der eigenen Rechte geht.

Anschließend fahren wir zum Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah, um mit Lama Hourani über den Konflikt und ihre Arbeit zu diskutieren. Sie ist Program Coordinator für das "democracy & reform, foreign relations & dialogue program" und selbst Palästinenserin. Sie schildert uns, dass sie zwar versuchen in den Feldern Menschenrechte, Gleichstellung von Mann und Frau, Demokratie und Außenbeziehungen mit verschiedenen NGOs, Akademikern und der Jugend zusammen zu arbeiten, diese Themen jedoch immer, wie jeder einzelne Aspekt des Lebens im Westjordanland, von der Besatzung überlagert würden. So, sagte Hourani, könne es kaum zu einer effektiven Zusammenarbeit mit den israelischen Kollegen kommen, um etwa Kontakt oder Annäherung zwischen palästinensischen und israelischen Jugendlichen herzustellen. Darum versuchten sie vor allem, die politische Stimmung zu erforschen und diese und die Probleme der Bevölkerung durch Vorträge in Brüssel und in Berlin auf die politische Agenda zu setzen. Außerdem arbeiteten sie gerade daran, einen Vorschlag für eine gemeinsame Strategie einer vereinten Regierung der Palästinenser auszuarbeiten. Auch schildert sie uns einige der Probleme, die die Besatzung hervorbringt. So gäbe es Städte, welche komplett von einer Mauer umgeben seien, die nur ein Tor am Stadteingang besitzen, welches von israelischen Soldaten kontrolliert werde. Die ökonomische Situation der Palästinenser sei fatal, die komplette Wirtschaft abhängig von den Israelis. Die Palästinenser könnten ohne internationale Hilfe nicht überleben. Als schlimmstes Beispiel für die Besetzung beschreibt sie die Situation in Hebron, wo die junge Generation seit ihrer Geburt ständig den Kontrollen der israelischen Soldaten ausgesetzt und sich nicht frei bewegen könne. In dieser Generation, so machte Hourani deutlich, sieht sie "nur Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung". Einen möglichen Ausbruch eines neuen Aufstandes könnte man nie vorhersehen und sie selbt befürchte manchmal, dass es nicht mehr lange dauert, bis diese „verlorene Jugend“ erneut rebelliere. Sie problemaitisierte auch, dass viele - vor allem in der westlichen Welt - erwarten würden, dass ein solcher Aufstand friedlich verlaufe. Die Jugend habe durch die Besetzung zu viel Demütigung erfahren, als dass sich diese nicht in Hass und Gewalt entladen werde.

Die Reise in die palästinensischen Gebiete war ein essenzieller und interessanter Bestandteil unseres Programms, obwohl wir vor Ort nicht viel Zeit hatten. Aufschluss für eine mögliche Lösung des Konfliktes haben uns unsere Gespräche zwar leider nicht geben können. Auch konnte man leicht den Eindruck gewinnen, die Situation sei aussichtslos. Trotzdem hat diese Reise uns die Möglichkeit gegeben, Israel auch von der anderen Seite zu sehen.

Freitag, 2. März 2012

Ein Tag am Toten Meer

Am Freitag den 2. März stand das Tote Meer und die Judäische Wüste auf dem Reiseplan. Erster Anlaufpunkt sollte En Gedi sein, eine Oase am Rande der judäischen Wüste, eingebettet in das gleichnamige Naturschutzgebiet. En Gedi bedeutet übersetzt „Quelle des Zickleins“ und beherbergt heute seltene Tierarten, darunter Steinböcke und die Palästina-Gazelle. Im Jahr 1953 wurde in der Oase ein Kibbuz gegründet, in dem heute etwa 800 Kibbuznikim hauptsächlich vom Tourismus leben.  Leider konnten wir die Oase nicht besichtigen, da sie wegen Überschwemmungen aufgrund des hohen Niederschlages der letzten Wochen geschlossen war.
Der nächste geplante Programmpunkt war die ehemalige jüdische Festung Massada, die nicht weit entfernt auf einem Tafelberg in der judäischen Wüste thront. Der Legende nach wurde die Festung im Jahr 73 nach Christus von aufständischen Zeloten bewohnt, die wiederum von einer übermächtigen römischen Armee belagert wurden. Im Angesicht der römischen Übermacht begingen die jüdischen Bewohner kollektiven Selbstmord, denn für sie war der Tod als freie Menschen erstrebenswerter als ein Leben unter römischer Herrschaft. So wurde Massada zum Symbol des jüdischen Freiheitswillens, was noch heute im Sprichwort „Massada darf nie wieder fallen“ zum Ausdruck kommt. Zu unserem Bedauern fiel aber auch Massada im wahrsten Sinne des Wortes „ins Wasser“: Die Straße zur ehemaligen Festung wurde von einem reißenden Fluss überflutet, in dem das Regenwasser der letzten Wochen aus den Bergen in das Tote Meer strömte. Es war für den Reisebus unmöglich, den Fluss zu überqueren. Doch das seltene Spektakel tröstete uns wenigstens etwas über den Ausfall hinweg: Wir stiegen aus und konnten die Flut hautnah erleben. Es floss immer mehr Wasser aus den Bergen herunter, sodass der Pegel schnell anstieg und wir letztlich sogar Mühe hatten, wieder einen Weg aus den Wassermassen herauszufinden. So erlebten wir doch noch ein bisschen Abenteuer zur Entschädigung!
Als dann doch wieder alle zum Bus zurück gefunden hatten, ging es weiter nach Qumran. Khirbet Qumran heißt die „graue Ruine“ und ist eine antike Siedlung, deren Ruinen teilweise erhalten sind und vollständig freigelegt wurden. Die Ruinen liegen auf einer Fläche nahe dem Nordwestufer des Toten Meeres und sind von einer beeindruckenden Felslandschaft umgeben. Archäologische Funde lassen auf eine zeitweise Besiedlung seit 800 vor Christus bis zur endgültigen Zerstörung der Siedlung während des jüdischen Krieges 66 bis 70 nach Christus schließen. Seine Bedeutung erhält Qumran durch die Funde antiker Schriftrollen, auch Qumranschriften genannt, in den umliegenden Felshöhlen in den Jahren 1947 bis 1956. Die Funde umfassen circa 15.000 Fragmente aus 850 verschiedenen Schriftrollen, die zwischen 250 vor Christus und 40 nach Christus verfasst wurden. Etwa 200 Schriften enthalten biblische Texte aus dem Tanach, der jüdischen Bibel bzw. dem Alten Testament. Die Qumranschriften stellen somit die ältesten Handschriften mit biblischen Texten dar.
Nach der Besichtigung Qumrans fuhren wir an den Strand des Toten Meeres. Das Tote Meer ist mit 422 Metern unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt der Erde. Berühmt ist das Tote Meer aufgrund seines hohen Salzgehaltes, der bei durchschnittlich 28% liegt (zum Vergleich: das Mittelmeer enthält durchschnittlich 3,8% Salz).Trotz Regen und relativer Kälte wagten sich einige Mutige ins Wasser und wurden mit einem einmaligen Erlebnis belohnt: Sie ließen sich im Salzwasser treiben und rieben sich mit wohltuendem Schlamm ein. Und die typischen Fotos –  im Wasser liegend Zeitung lesen – durften natürlich auch nicht fehlen!
Auf dem Rückweg nach Jerusalem hielten wir noch kurz an einem Aussichtspunkt im Wadi Quelt.  Hier hat man einen atemberaubenden Blick über das Wadi (Tal) und auf das in die Felswand gebaute griechisch-orthodoxe Kloster Sankt Georg.
Insgesamt war der Tag am Toten Meer ein gelungener Ausflug, der durch etwas Abenteuer und Badespaß eine erfreuliche Abwechslung in unser volles Programm brachte!

Donnerstag, 1. März 2012

Gespräche in Jerusalem....


Nach unserem Besuch in Yad Vashem fuhren wir im Reisebus den Herzlberg hinunter, dann weiter Richtung Osten durch immer enger werdende Straßen hinein ins Häuserdickicht der israelischen Hauptstadt. Dort, wo die beiden Viertel Gonen Katamon und Griechische Kolonie sich treffen, befindet sich die Jerusalemer Dependance des „Leo Baeck Instituts“ (LBI), unser nächstes und gleichzeitig letztes Ziel an diesem Tag. Vor Ort wurden wir von Anja Siegemund, der gegenwärtigen Direktorin des 1955 gegründeten Forschungszentrums herzlich empfangen und auch Michael Mertes, Leiter des nur wenige hundert Meter entfernten Auslandsbüros der „Konrad-Adenauer-Stiftung“ (KAS), und David Witzthum, Moderator und Chefredakteur bei der Rundfunkanstalt „Israel Broadcasting Authority“, die sich bereit erklärt hatten, mit uns über den Nahostkonflikt und vor allem über dessen Darstellung in den deutschen, israelischen und internationalen Medien zu sprechen, waren anwesend.

Doch zunächst erzählte Frau Siegemund uns vom Leben und Wirken Leo Baecks, dem Namensgeber des Instituts. Baeck wurde 1873 in der damaligen preußischen Provinz Posen geboren. Er war zu seinen Lebzeiten nicht nur ein hoch angesehener Rabbiner und einflussreicher Religionsphilosoph, sondern galt auch als einer der wichtigsten Köpfe der liberalen Judenheit. 1926 beteiligte er sich maßgeblich an der Gründung der „Weltunion für Progressives Judentum“. Nach der Emigration des anderen großen jüdischen Religionsphilosophen, Martin Buber, war Baeck von 1938 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs der höchste Repräsentant des jüdischen Glaubens in Deutschland. Er hatte mehrfach die Gelegenheit, der von den Nationalsozialisten beherrschten Heimat den Rücken zu kehren und ins sichere Ausland zu fliehen. Doch er blieb und kümmerte sich weiter um die Menschen in seiner Gemeinde, auch dann, als man ihn ins Konzentrationslager Theresienstadt steckte. Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes und der Befreiung durch die Alliierten siedelte Baeck nach London über, wo er schließlich 1956 starb.

Das von ihm gegründete „Institut zur Erforschung des Judentums in Deutschland seit der Aufklärung“ war schon im Jahr zuvor in „Leo Baeck Institut“ umbenannt worden. Seit dieser Zeit, so Direktorin Siegemund, fungiere die Einrichtung als wichtige Dokumentationsstätte für die Geschichte der deutschsprachigen Juden. Das LBI Jerusalem sei darüber hinaus „das führende israelische Forschungszentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Deutschland und Zentraleuropa“. Überdies verfügt man noch über Zweigstellen in New York und London. Diese Städte waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die größten Emigrationszentren für deutsche Juden. In Deutschland selbst unterhält das Institut eine wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft und kooperiert seit vielen Jahren mit dem Bundesministerium des Inneren sowie mit mehreren  Forschungseinrichtungen wie zum Beispiel dem in Berlin ansässigen „Zentrum für Antisemitismusforschung“.

In Frankfurt residiert obendrein der Verein „Freunde und Förderer des Leo Baeck Instituts“, und in dessen Vorstand sitzt, unter anderen, Michael Mertes. Der Jurist und ehemalige Bundesbeamte ist gleichzeitig der Leiter des Auslandsbüros Israel der KAS. Er sprach mit uns zunächst über seinen Amtsantritt im Sommer 2011 und schilderte seine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen sowie die Atmosphäre, die er damals vorgefunden hatte. Das für Mertes nach wie vor „unglaublich spannende und interessante Land“ habe eine extrem heterogene, aber auch offene Gesellschaft, die für ihn „intellektuell außerordentlich anregend“ sei. Seine bisherige Arbeit für die KAS in Israel sei besonders von zwei Ereignissen geprägt gewesen: Zum Einen vom „Arabischen Frühling“, den die Israelis jedoch als „arabisches Erwachen“ bezeichneten, denn sie betrachteten die politischen Umwälzungen in den Nachbarstaaten mit großer Ambivalenz und Ungewissheit. Die Erstürmung des israelischen Botschaftsgebäudes in Ägypten im vergangenen September und der fast vollständige Zusammenbruch des staatlichen Gewaltmonopols auf der Sinai-Halbinsel hätten unter den israelischen Nachbarn Schock und Entsetzen verursacht. Der verstärkte Waffenschmuggel in den Gaza-Streifen und die zunehmenden Raketenangriffe auf Städte wie Aschdod und Be'er Sheva seit Beginn dieses Jahres täten ihr Übriges, so Mertes.
Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in Syrien verfolge man ebenfalls mit größter Skepsis und Sorge. Mertes thematisierte auch die Diskussionen in Israel um die Frage einer möglichen atomaren Bewaffnung des Iran. Weiterhin kam Mertes auf die innenpolitische Situation des jüdischen Staates und hier vor allem auf das zweite große Ereignis seit seinem Amtsantritt zu sprechen, nämlich die Massenproteste im vergangenen Sommer. Er kritisierte, dass die Ursachen dieser sozialen Spannungen in deutschen wie internationalen Medien nur verkürzt dargestellt worden seien. Die landesweiten Demonstrationen hätten sich zwar in erster Linie gegen zu hohe Steuern, Mieten und Grundstückspreise gerichtet, der Grundkonflikt liege aber woanders. Er beruhe auf einer tiefen Spaltung der israelischen Gesellschaft. Der KAS-Büroleiter veranschaulichte die Situation anhand eines Witzes, der im Land zurzeit die Runde macht: „Ein Drittel der Israelis leistet Wehrdienst, ein Drittel arbeitet und ein Drittel zahlt Steuern. Das Problem ist nur, dass es immer dasselbe Drittel ist.“ Doch große Teile der säkular-liberalen Mittelschicht seien nicht länger bereit, für andere Bevölkerungsgruppen zu schuften und dabei selbst immer weiter zu verarmen. Fast nirgendwo sonst in der westlichen Welt finde sich eine so große Kluft zwischen Arm und Reich. Die Ultraorthodoxen, die in der Regel vom Wehrdienst befreit seien, dank staatlicher Transferleistungen nicht arbeiten müssten, aber dennoch größtenteils in Armut lebten, sorgten mit ihrem immer offensiveren Auftreten im Alltag zusätzlich für sozialen Zündstoff. Andersdenkende würden von ihnen ignoriert oder diskriminiert, und die Idee einer Geschlechtertrennung im öffentlichen Leben stoße bei vielen religiösen Fanatikern auf Zustimmung. Der israelische Staat müsse hier, zusätzlich zu den gewohnten existenziellen Bedrohungen von außen, nun auch noch mit einem innenpolitischen Kulturkampf fertigwerden, so Mertes.

Es folgte dann ein kurzer Einblick in die tägliche Stiftungsarbeit, die seit Beginn des „Arabischen Frühlings „auf jeden Fall schwieriger geworden ist“ so Mertes. Der Leiter des KAS- Büros erzählte auch noch von Projekten und Kooperationen, wie beispielsweise der Förderung junger Beduinen im Bereich der Bildungspolitik, an denen die Stiftung sich gegenwärtig beteiligt.

Dann übergab er das Wort an David Witzthum. Der Journalist und Autor, der zudem Mitglied im Vorstand des LBI Jerusalem ist, sprach zunächst über die mediale Darstellung des Nahostkonflikts in der Vergangenheit und kommentierte dann die aktuelle politische Situation in der Region und die Reaktionen der Presse hierauf. Die Berichterstattung über Israel sei in Israel selbst grundsätzlich differenzierter als diejenige in Deutschland und Europa. Gehe es um das kleine Land am Mittelmeer, schreibe und sende die deutsche Presse seit Jahrzehnten fast ausschließlich über den Konflikt mit den Palästinensern. Für die meisten Journalisten in der Bundesrepublik seien dies die einzigen erwähnenswerten Nachrichten. Andere Themen kämen quasi nicht vor. In israelischen Medien wiederum gebe es immer weniger Schlagzeilen und Berichte über das, was sich in den palästinensischen Autonomiegebieten beziehungsweise in den Siedlungen im Westjordanland abspielt. In Jerusalem und Tel Aviv interessiere man sich hauptsächlich für Neuigkeiten aus den USA, Europa und Asien. Die Entwicklungen in der arabischen Welt und im Iran verfolge man ebenfalls sehr aufmerksam. Laufen auf einem israelischen Fernsehkanal aber Nachrichten aus Gaza oder Reportagen aus Ramallah oder Hebron, „schalten die meisten Israelis um“, so Witzthum.
Der Medienexperte sprach dann auch über die seit dem Jahr 2002 im Bau befindliche Sperranlage zum Westjordanland, die von einer großen Mehrheit der israelischen Bürger befürwortet wird, sowie über das Schicksal des im Jahr 2006 entführten und im vergangenen Oktober freigelassenen Soldaten Gilad Schalit. Anhand dieser beiden Themen veranschaulichte er noch einmal, wie verschiedenartig internationale Presseorgane auf der einen und israelische Presseorgane auf der anderen Seite über die politischen Entwicklungen vor Ort berichteten. Drehten die Schlagzeilen sich dann noch, wie im Fall Schalit, um ein emotional hoch aufgeladenes Thema, träten die Unterschiede besonders stark zutage. „Gilad Schalit war ja in den Augen vieler Israelis, auch dank einer ausgeklügelten PR-Kampagne, nicht mehr nur ein einfacher Soldat. Fast jede Familie hier betrachtete ihn zeitweise als eigenes Kind und verlorenen Sohn“, sagte Witzthum.
Solche „personalisierten Geschichten“ und deren Verbreitung über möglichst viele Kanäle führten zwar zu einer durchaus beachtenswerten Mobilisierung der Gesellschaft bis hin zu weltweiter Anteilnahme. Allerdings sehe er hier auch die „Gefahr einer Entpolitisierung des Nahostkonflikts“.
Und dies könne nicht im Interesse von Politik und Presse sein.

‚Get together‘ in der Knesset

Am ersten Tag in Jerusalem haben wir auch einen Termin in der Knesset, dem Parlament Israels. Während der Führung erfahren wir die wichtigsten Basics zum Parlament und Wahlsystem: Die Knesset besteht aus 120 Mitgliedern und ist ein Einkammernparlament. Aufgrund von einer nur sehr niedrigen Sperrklausel von zwei Prozent stammen dessen Mitglieder, die für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt werden, aus vielen verschiedenen, zum Teil sehr kleinen Parteien, weshalb sich die Regierung bisher immer aus einer Koalition zusammensetzen musste, um die Mehrheit von 61 Sitzen im Parlament zu erreichen. Nach dem es die Kadima-Partei als stärkste Partei mit 28 erzielten Sitzen in der 2009er Wahl nicht geschafft hatte eine Koalition zu bilden, führt nun Premierminister Benjamin Netanjahu als Vorsitzender der konservativen Likud-Partei (27 Sitze) eine Koalition von sechs zum Teil sehr unterschiedlichen Parteien an. Hier steht sich die starke Repräsentation der Meinungsvielfalt, auch von Minderheiten, einer effektiven und handlungsfähigen Arbeitsweise gegenüber, was nicht selten zu fragilen Regierungen führt. In diesem speziellen Fall stehen sich sogar stark rechtsgerichtete Parteien der linken Arbeiterpartei gegenüber, was die Diskussionsgrundlage noch weiter verkompliziert.

Die Knesset kontrolliert den Premierminister und entscheidet beispielsweise über Kriegseinsätze. Ihre Abgeordneten wählen den Präsidenten für eine Legislaturperiode von sieben Jahren.

Der Plenarsaal ist das Herz der Knesset, da hier alle Entscheidungen getroffen werden. Die Sitze und Tische sind so angeordnet, dass sie eine Minora, einen siebenarmigen Leuchter, bilden. 16 Mitglieder sind nicht jüdisch, sondern muslimisch oder christlich, und es gibt 26 weibliche Abgeordnete. Die Sitzungen finden von Montag bis Mittwoch statt. Sie sind öffentlich zugänglich und werden vom eigenen TV-Sender live übertragen. Auf der Galerie gibt es Plätze für Besucher und einen Bereich für Ehrengäste wie Botschafter oder ähnliche persönlich eingeladene Gäste. Der Platz des Präsidenten ist durch einen roten Teppich gekennzeichnet.

Neben den exekutiven Funktionen wohnt der Knesset auch eine wichtige repräsentative Funktion und emotionale Bedeutung inne. Hier wurde schon oft Geschichte geschrieben: So empfängt die Knesset unterschiedlichste, wichtige Staatschefs, ehemalige Feinde wie der frühere ägyptische Präsident Sadat sprachen hier, die Unabhängigkeitserklärung wird hier aufbewahrt und die Trauerfeier zur Ermordung Jitzchak Rabins fand ebenfalls in diesen Gebäuden statt. Es gibt einen TV-Sender, der live von den Debatten berichtet und somit direkt bei der öffentlichen Bildung mitwirkt.

In der Eingangshalle wird das Original der Unabhängigkeitserklärung ausgestellt sowie drei sehr große Wandteppiche und Wand- beziehungsweise Bodenmosaike des russisch jüdischen Künstlers Marc Chagall. Inhaltlich befassen sich diese Wandteppiche mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des jüdischen Volkes, wobei mit ersterem der Auszug aus Ägypten, danach das Glück über den endlich errungenen, eigenen Staat und mit letzterem das Ende aller Tage gemeint ist.

Nach dieser Führung hatten wir die einmalige Gelegenheit mit zwei Vertretern der Knesset zu sprechen: zum einen eine Koordinatorin der Likud-Partei, die jedoch nicht direkt zur Partei gehört, sondern von der Knesset bezahlt wird, und zum anderen einem Vertreter der oppositionellen Kadima-Partei aus dem Bereich Auslandsbeziehungen. Als Probleme sehen beide eindeutig, dass sich die israelische Politik zu lange fast ausschließlich um Sicherheitsbelange gekümmert habe. Dies schlüge sich dann natürlich auch in der finanziellen Verteilung nieder, so dass gerade für Soziales zu oft zu wenig übriggeblieben ist. Doch die aktuelle Situation zeige, dass genau diese Punkte bei der Bevölkerung als wichtiger eingestuft werden: zu hohe Preise und zu niedrige Löhne, die Situation der arabischen Israelis und auch die Friedensverhandlungen mit der palästinensischen Autonomiebehörde. Es gäbe zu viele Stimmen und Meinungen, so dass am Ende außer dem Sicherheitsaspekt nichts richtig angegangen würde. Auch wenn sich beide darin einig sind, dass die Sperrklauselregelung geändert werden müsse, sei nicht sie direkt das Problem, sondern die relative Bedeutung der kleinen Parteien innerhalb einer Koalition. Aktuell werde sich dieses Problem jedoch nicht angehen lassen, da in der Koalition Parteien sitzen, die selbst nur vier Prozent der Stimmen errungen haben. Bei solchen Unstimmigkeiten innerhalb der Regierung, beispielsweise auch Fragen, die das Verhältnis von Staat und Religion betreffen, argumentiere man mit dem Status Quo und setze einfach ein Veto ein. Auf diese Weise komme es gerade an solch kritischen Punkten zu keinen Veränderungen. Beim Thema Verfassung sähe es ähnlich aus. Auch hier könnten sich die Vertreter der verschiedenen Positionen seit Beginn an nicht einigen: ultra- orthodoxe Gruppierungen verlangten die Aufnahme des „jüdisch“ in die Staatsbezeichnung und stellten dies über das „demokratisch“. Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung lehne solch einen religiösen Lebenseinfluss jedoch ab, ganz zu schweigen von der muslimischen israelischen Bevölkerungsgruppe, die hiermit nicht berücksichtigt würde. Somit bliebe noch einiges zu tun, was ihren Job manchmal sehr anstrengend und kompliziert gestalte, man benötige viel Fingerspitzengefühl, aber genau dies mache es auch so spannend.

Yad Vashem


Yad Vashem ist die zentrale nationale Holocaust-Gedenkstätte Israels. Sie wurde 1953 durch einen Knessetbeschluss ins Leben gerufen und befindet sich auf dem „Berg der Erinnerung“ im Westen Jerusalem. Der hebräische Name „Yad Vashem“ bedeutet wörtlich übersetzt „ein Denkmal und ein Name“ und stammt aus dem Buch Jesaja 56,5: „Und denen will ich in einem Haue und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben.“ Jedes Jahr besuchen über 2 Millionen Menschen Yad Vashem.

Aufgabe der Gedenkstätte ist es, die Geschichte der Juden im Holocaust zu dokumentieren, das Andenken an die sechs Millionen Opfer zu bewahren und durch Veranstaltungen, Projekte, Forschung und Publikationen das Vermächtnis des Holocaust den nächsten Generationen zu übermitteln. Zu dem weitläufigen Komplex gehören verschiedene Denkmalstätten, ein Museum, eine Bibliothek, ein Zentralarchiv und ein Forschungszentrum. Außerdem finden die offiziellen Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag finden in Yad Vashem statt.

Im März 2005 wurde ein neuer Museumsbau eröffnet. Das 180 Meter lange, schmale Gebäude stilisiert einen Nagel, der in den „Berg der Erinnerung“ getrieben wurde. Anhang von Videoinstallationen, Exponaten und Fotografen dokumentiert die Ausstellung den Völkermord an den europäischen Juden. Sie mündet in die „Halle der Namen“, in der die Namen und persönlichen Daten der jüdischen Opfer des Holocaust gesammelt werden.

Das zentrale Denkmal in Yad Vashem ist die „Halle der Erinnerung“. In den schwarzen Basaltfußboden des schlichten Baus, der bis auf die Ewige Flamme in seiner Mitte leer ist, sind die Namen einiger nationalsozialistischer Konzentrations- und Vernichtungslager eingraviert. Der Weg dorthin führt durch die „Allee der Gerechten und den Völkern“, wo für Bäume gepflanzt sind für nichtjüdische Personen und Organisationen, die unter Gefahr für das eigene Leben, versucht haben, Juden vor dem Holocaust zu bewahren.

Abgerundet wird die Ausstellung durch mehrere Denkmäler, Skulpturen und Gedenkstätten auf dem Außengelände. Da gibt es zum einen das „Childrens Memorial“, das an die 1,5 Millionen ermordeten jüdischen Kinder erinnert. Ein weiteres Denkmal sind die „Säulen des Heldentums“, die an den jüdischen Widerstand erinnern. Außerdem gibt es den „Janusz Korzcak Square“, der jüdisch‐polnischen Arzt Henryk Goldschmidt erinnert, der die ihm anvertrauten Waisenkinder ins Konzentrationslager begleitete. Die „Swedish Ambulance“, die an schwedische Rotkreuz‐Transporte im Frühjahr 1945 erinnert, der „Warsaw Ghetto Square“ anlässlich des  Aufstandes im Warschauer Getto 1943 und das „Cattle Car Memorial“, ein Viehwaggons der deutsche Reichsbahn, der für Transporte in die Konzentrationslager benutzt wurde.

Der Besuch war für alle sehr bewegend und es war etwas Besonderes diesen Ort gemeinsam mit israelisch-jüdischen Kommilitonen zu besuchen.

Mittwoch, 29. Februar 2012

Zu Gast bei der Deutschen Botschaft in Tel Aviv


Die Deutsche Botschaft befindet sich neben einigen anderen Botschaften in einem Hochhaus mitten in Tel Aviv. Der Botschafter, Andreas Michaelis, ist seit Sommer 2011 im Amt und hat sich schon in seinen früheren beruflichen Positionen mit der Nahostthematik beschäftigt, u.a. als Nahost-Beauftragter der Bundesregierung.

Zu Beginn ging Herr Michaelis auf den Arabischen Frühling und seine Konsequenzen für Israel ein. Auf ägyptischer Seite seien frühere verlässliche Gesprächspartner nicht mehr da, so dass die Beziehungen neu gestaltet werden müssten, sagte der Botschafter. Wegen der unsicheren Verhältnisse in Ägypten sei die Grenze zu Israel nicht mehr sicher, wie eine terroristische Aktion und andere Zwischenfälle in den letzten Monaten zeigten.  Deutschland und v.a. die USA sollten hier Stabilisierungsaufgaben in Richtung Ägypten übernehmen. Wie sich die Lage weiterentwickeln würde sei unklar, allerdings könne man davon ausgehen, dass sich Beziehungen zwischen dem „neuen Ägypten“ und Israel schwieriger gestalten würden, als bisher, so Michaelis.

Auch das Verhältnis zu Jordanien sei im Wandel begriffen: Im Vergleich zu allen anderen arabischen Staaten arbeite Israel mit Jordanien eigentlich relativ eng zusammen. Die politische Lage im Nachbarland beobachte Israel daher mit besonderer Sorge. Falls König Abdullah II. weiterhin am Status quo festhalte, drohe ihm das gleiche Schicksal wie den anderen arabischen Regimen auch. Der Botschafter erklärte weiterhin, dass die Situation in Syrien absolut unübersichtlich sei. Israel, so sagte er „hält sich dort weitgehend raus“. Da die israelische Sicherheitsphilosophie auf Abschreckung basiere, die bei einem asymmetrischen Gegner nicht funktioniere, lauerten hier neue Gefahren für Israel.  An der Grenze zum Libanon sei die Lage „absurderweise“ bisher am stablisten. Denn Hisbollah warte erst mal ab, was in Syrien passiert. Insgesamt könne man festhalten, dass Israel bisher noch keine Antwort auf den Arabischen Frühling habe.

Michaelis ging auch auf den israelisch- palästinensischen Konflikt ein. Ihm zufolge herrscht im Moment ein totaler Stillstand. Die Gefahr dabei bestehe darin, dass es zu einer Eskalation in der Westbank komme. Eine 3. Intifada sei im Moment eher nicht in Sicht, allerdings könnten folgende 3 Punkte diese auslösen: Im Falle einer Einigung zwischen Hamas und PLO, drohe Israel mit der Einfrierung der Überweisung der Steuereinnahmen in die PA. Die PLO drohe im Gegenzug mit der Einstellung der Sicherheitskooperation mit Israel. Außerdem finde in Israel eine Radikalisierung der Siedler statt, was sich in Angriffen auf Moscheen, Zivilisten und auch Frauen zeige.

In der israelischen Innenpolitik stünden die Zeichen auf einer Wiederwahl Netanyahus, da dieser „die Opposition erfolgreich filetiert hat und es keine personelle Alternative gibt“. Nach den Wahlen könne es allerdings zu einer neuen Koalition mit einer der 3 größeren Oppositionsparteien (ohne die Ultras) kommen, erläuterte Michaelis. Die überwiegende Mehrheit der Israelis unterstütze den aktuellen politischen Kurs.

Ein weiteres Thema der Gesprächsrunde waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, die, so der Botschafter, vor dem Hintergrund des Holocaust einen besonderen Charakter hätten. Die deutsche Seite überzeuge mit sachorientierter Arbeit, leiste materielle Unterstützung (z.B durch den Verkauf von U-Booten an Israel) und helfe bei Verhandlungen, wie beispielsweise im Fall Gilat Shalit. Im Alltag gebe es eine große Sympathie gegenüber den Deutschen. Allerdings fühle sich die israelische Seite zunehmend international isoliert und auch in Deutschland wachse das Unverständnis für israelische Politik. Zwar würden in der Deutschen Botschaft viele Gespräche mit Abgeordneten des Bundestags und anderen Entscheidungsträgern geführt, diese hätten jedoch kaum Einfluss auf die Wahrnehmung des Konflikts in der breiten Öffentlichkeit in Deutschland. Vor allem die Siedlungspolitik werde von vielen als illegitim betrachtet. Auch seitens der EU, „die nach den USA Israels zweitwichtigster Partner ist, wird der Druck erhöht, den Siedlungsausbau zu stoppen und Verhandlungen mit der palästinensischen Seite aufzunehmen“, betonte Michaelis.  Trotz dieser kritischen Stimmen sei die Zusammenarbeit der EU mit Israel vor allem im Forschungsbereich sehr eng. Israel habe Zugang zu Fördertöpfen des Forschungsrahmenprogramms der EU und erhalte daraus jährlich etwa 300€ Mio. In der Deutschen Botschaft werden viele Gespräche mit Abgeordneten des Bundestags geführt, diese haben jedoch kaum Einfluss auf die Wahrnehmung des Konflikts in der breiten Öffentlichkeit in Deutschland

Insgesamt, so teilte uns Herr Michaelis mit, sehe er für das Jahr 2012 wenig Chancen, Fortschritte in den Israelisch-Palästinensischen Verhandlungen zu erzielen, da diesen die US-Wahlen im Wege stehen.

Dienstag, 28. Februar 2012

Die Friedrich-Ebert-Stiftung in Israel

Am Dienstagnachmittag besuchte unsere Reisegruppe die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Herzliya, unweit von Tel Aviv. Dort unterhielten wir uns mit dem Bueroleiter Dr. Ralf Hexel ueber die Arbeit der FES in Israel und welche Rolle sie spielt in den Beziehungen zwischen der deutschen Sozialdemokratie und dem Staate Israel.

Die FES Israel beschaeftigt sich mit einem breiten Spektrum von Themen, vor allem mit der Nahost-Problematik, Sozialpolitik, Arbeitsmigration, Minderheitenbeteiligung, zivilgesellschaftlichen Engagement, den deutsch-israelischen Beziehungen und der Gleichberechtigung der Frauen. Ausfuehrlich berichtete uns Herr Dr. Hexel ueber die im letzten Sommer stattgefundenden sozialen Proteste in Israel, wo mehr als eine halbe Million Menschen auf die Strasse gingen um u.a. fuer bessere Wohnbedingungen und eine bessere Gesundheitsfuersorge einzutreten. So arbeitet die FES Israel mit Vertreter/innen der Protestbewegung zusammen, indem sie z.B. Bildungskurse zu Politik & Wirtschaft anbietet.

Weitere Themen, die in anschliessenden Fragerunde behandelt wurden, waren u.a. der Irankonflikt und die Veraenderung des Likud und der rechten Parteien Israel.

Montag, 27. Februar 2012

Gesprächsrunde im Büro der Heinrich-Böll Stiftung, Tel Aviv

Am 27.02.2012 war die Gruppe zu einer Gesprächsrunde im Büro der Heinrich-Böll Stiftung (HBS) in Israel eingeladen. Der Politikwissenschaftler Marc Berthold ist seit 2010 der Leiter des Bürosin Tel Aviv. Zuvor leitete er das Referat für Außen- und Sicherheitspolitik der Heinrich-Böll-Stiftung in der Berliner Zentrale (2008-2010). Von 2007-2008 war er als Berater für Klima- und Energiepolitik für Renate Künast tätig und von 2001 bis 2007 arbeitete er im Nordamerika-Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Washington DC als Programmleiter für "Environment and Global Dialogue".

Herr Berthold stellte zuerst kurz das Konzept der politischen Stiftungen vor, wobei er darauf hinwies, dass diese Organisationsform ein spezifisch deutsches Phönomen ist, dass auf die historischen Erfahrungen der Weimarer Republik zurückgeht. Danach ging er auf die Schwerpunkte der Stiftungsarbeit in Israel ein und schilderte die Probleme, mit denen sich die Stiftung vor Ort konfrontiert sieht. Als Stiftung steht die HBS  ideologisch der Partei Bündnis 90/ Die Grünen nah.  Über die bundesdeutschen Wurzeln hinaus versteht sie sich aber als Teil einer globalen politischen Grundströmung, die sich auf die Grundwerte der Ökologie und Nachhaltigkeit,  Demokratie und Menschenrechte, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit beruft. Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt der HBS ist die gesellschaftliche Emanzipation und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern (Geschlechterdemokratie) sowie auch die Gleichberechtigung von Minderheiten. Die Stiftung arbeitet – sowohl in Deutschland, als auch im Ausland – im Bereich der Erwachsenenbildung und der Projektarbeit. Sie kann als eine Art Think-Tank verstanden werden, als „grüne Ideenagentur“ und internationales Politik-Netzwerk.

Die Stiftung arbeitet seit 1992 in Israel, 1998 wurde das Büro in Tel Aviv eröffnet. In dem Büro arbeiten heute insgesamt 6 Mitarbeiter_innen, von denen zwei aus Deutschland nach Israel entsendet worden sind – die Mehrheit bilden die Ortskräfte.  Die Arbeit der Stiftung findet stets vor dem komplexen historischen Hintergrund der deutsch-jüdischen und der deutsch-israelischen Beziehungen statt. Gleichzeitig spielen aber auch der Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern und der zwischen Israel und den arabischen Staaten eine große Rolle. Um ihre Ziele zu erreichen, arbeitet die HBS mit verschiedenen israelischen Organisationen und Akteuren zusammen (NGOs akademische Institutionen, politischen Entscheidungsträger_innen und anderen Interessenvertreter_innen), die sie bei der Planung und Implementierung von Projekten unterstützt.  Die Stiftung organisiert Workshops und Konferenzen, finanziert Trainings- und Forschungsprogramme und hilft den Partner_innen dabei, sich zu vernetzen. Außerdem koordiniert sie Israelbesuche von deutschen Akteuren, wie beispielweise Abgeordneten der Partei Bündnis 90/ Die Grünen.

Vier Themenschwerpunkte bestimmen die Agenda der HBS in Israel:

(1)    Umweltgerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung. In Israel, so erklärte der Leiter der Stiftung, mangele es nach wie vor an einem breiten Umweltbewusstsein – sowohl auf Seiten der Bevölkerung, als auch der Mehrheit der Politikgestalter_innen. Zwar gebe es immer mehr Initiativen zum Umweltschutz und israelische Forscher_innen seien im Bereich der Entwicklung von Umwelttechnologien besonders innovativ, die wachsenden Umweltprobleme, vor allem im Bereich der Wasserverschmutzung, stellten aber eine besondere Herausforderung für das Land dar. Die Bevölkerungsteile, die sowieso schon benachteiligt seien, seien davon am stärksten betroffen. Herr Berthold erklärte, dass die Stiftung eng mit dem Dachverband der israelischen Umweltorganisationen zusammenarbeite, den sie bei der Arbeit unterstütze und fördere. Eine Aufgabe der HBS im Bereich der Ökologie sei es, die Implementierung von Plänen der Regierung zu Umweltreformen – wie beispielweise dem „Green Economy“ Plan (2011) zur Förderung umweltfreundlicher Entwicklung– zu evaluieren. Berthold betonte dabei aber, dass der Umstieg auf grüne, erneuerbare Technologien und Energiequellen „maßgeblich vom Frieden mit Jordanien und den anderen Nachbarländern Israels abhängt“. Hieran zeigt sich die Dimension und Tragweite der politischen Konflikte in der Region.

(2)    Ein weiterer Schwerpunkt der HBS ist die Förderung von Frauenrechten und der Geschlechterdemokratie. Ziel der Programme sei es die soziale, politische und rechtliche Situation von Frauen in der israelischen Gesellschaft nachhaltig zu verbessern und deren Möglichkeiten, sich an politischen Entscheidungsfindungsprozessen zu beteiligen, zu erweitern. Die Stiftung unterstütze dabei  verschiedene jüdische, arabisch-israelische und jüdisch-arabische Frauenorganisationen, die sich für die Rechte der Frauen einsetzen. So fördere die Stiftung beispielweise einen Zusammenschluss von Rechtsanwältinnen, die sich für die Umsetzung der Resolution 1325 (Resolution zur gleichberechtigten Beteiligung von Frauen an Friedensverhandlungen, Konfliktschlichtung und Wiederaufbau in bewaffneten Konflikten) in Israel einsetzen und helfe ihnen dabei, sich zu vernetzen. Als weiteres Beispiel für die Projektförderung im Bereich der Frauenrechte nannte Berthold die Zusammenarbeit mit der arabisch-israelischen Organisation „Kayan“. Gleichzeitig fördere die HBS Organisationen, die die Interessen von  LGBT-Gruppen (Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender) vertreten und habe, so Berthold, zum Beispiel die Öffnung eines Zentrums für Schwule und Lesben in Jerusalem unterstützt.  Die Realisierung der Geschlechterdemokratie „ist ein Aspekt, der in sämtlichen Projekten der Stiftung von zentraler Bedeutung ist“.

(3)    Die HBS engagiert sich auch im Bereich der Unterstützung der Zivilgesellschaft und
Demokratieförderung
. Die Zivilgesellschaft wird dabei als „Motor demokratischen Wandels“ betrachtet. Die Stiftung bemüht sich, die Rechte der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zu stärken und sie dabei zu unterstützen, Zugang zu Entscheidungsfindungsprozessen in Politik und Gesellschaft zu finden. Im Vordergrund steht dabei die Arbeit mit marginalisierten Gruppen, vor allem der arabisch-israelischen Minderheit in Israel sowie der Versuch, im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu vermitteln, um einen fairen Kompromiss zu erreichen. 

(4)    Den vierten Themenschwerpunkt der HBS in Israel stellen die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sowie die Beziehungen zwischen der EU und Israel dar. In diesem Bereich organisiert die Stiftung eine Reihe von Aktivitäten im Bereich der politischen Bildungsarbeit. Hierzu zählen unter anderem Konferenzen und Treffen zwischen verschiedenen deutschen und israelischen Akteuren, wie beispielweise Schriftsteller_innen, Akademiker_innen, Journalist_innen und Studierenden. So soll einerseits der Dialog zwischen den Ländern gefördert werden, andererseits sollen kritische Debatten in der jeweiligen Öffentlichkeit angeregt werden. Auch werden die Förderung des interkulturelles Verständnisses und der Zusammenarbeit zwischen den Ländern angestrebt. Die Beschäftigung mit und Aufarbeitung von der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden spielt in diesem Arbeitsbereich der Stiftung eine ganz besondere Rolle.

In der anschließenden Diskussionsrunde stand besonders eine Frage im Vordergrund: Die Frage nach der Legitimation der Stiftungsarbeit im Ausland. Mehrere der Studierenden wollten wissen, wie die Stiftung ihre Einmischung in die politischen Angelegenheiten des Staates Israel legitimiert. Herr Berthold machte deutlich, dass „die Arbeit der HBS von der israelischen Regierung akzeptiert wird und es ein Abkommen zwischen Deutschland und Israel gibt, in dem die Rahmenbedingungen der Arbeit festgesetzt sind“.  Die Auslandsarbeit der deutschen politischen Stiftungen könne allgemein als eine Form der Entwicklungszusammenarbeit verstanden werden, die HBS arbeite dabei getreu ihrer grünen Leitlinien. Ihre liberal-demokratischen Werte würde die Stiftung ganz bewusst auch im Ausland vertreten – man versuche dabei aber mit Kritiker_innen in den Dialog zu treten und sich mit deren Kritik konkret auseinanderzusetzen. Hinzu komme, dass die Stiftung nicht gezielt auf Organisationen zugehe und so versuche, ihre Agenda durchzusetzen. Anfragen nach Unterstützung „werden in der Regel von den Organisationen selbst an die Stiftung herangetragen“. Auf die Frage hin, ob die HBS auch mit Organisationen wie Hamas und Hisbollah zusammenarbeite, erklärte Berthold, dass extremistische Gruppen von der Stiftung grundsätzlich nicht unterstützt würden. Gleichzeitig hätten  Veränderungen der politischen Machtverhältnissen – Berthold wies hier auf den Wahlsieg der Hamas in  Gaza hin – immer auch einen großen Einfluss auf die Stiftungsarbeit vor Ort. Dessen müsse man sich bewusst sein, wenn man von solchen Gruppen spreche, deren Status neu definiert werden müsse, wenn sie bei demokratischen Wahlen an die Macht kämen. 

Gefragt wurde auch nach dem Verhältnis der verschiedenen deutschen Stiftungen zueinander. Herr Berthold machte deutlich, dass die Stiftungen in der Regel unabhängig voneinander agieren, was so sagte er, sich „schon durch die sehr unterschiedliche Themensetzung erklären lässt“. Doch in wichtigen Fragen, käme es durchaus zur Kooperation. Als Beispiel nannte er die jüngsten Versuche der israelischen Regierung durch Gesetze die Unabhängigkeit und den Aktionsspielraum von Nichtregierungsorganisationen – und somit auch der Stiftungen – erheblich einzuschränken. In Reaktion auf diese Vorhaben formulierten die Stiftungen gemeinschaftlich einen Brief an die Knesset, in dem sie die Gesetzesvorschläge stark kritisierten und an die demokratische Moral der Regierung appellierten. An dieser Stelle wies Berthold auf ein Dilemma der israelischen Demokratie hin: Solche Versuche, die Arbeit zivilgesellschaftlicher Akteure zu beschneiden, seien aus undemokratischen Kontexten wie jüngst Ägypten oder auch Russland bekannt. Dass auch in einem Land wie Israel, das sich in seinem Selbstverständnis als demokratischen Staat definiere, solche Einschränkungen in Betracht gezogen würden, werfe Fragen nach dem Zustand der Demokratie auf.

Am Ende wurde Herr Berthold gebeten, kurz seine Einschätzung des politischen Diskurses in Israel zu wiederzugeben: Welche Themen sind gerade relevant? Welche Fragen bewegen die Menschen in Israel? Das Atomprogramm des Iran sei momentan das Hauptthema, um das die öffentliche Debatte sich drehe. Die israelische Regierung ziehe die militärische Option ernsthaft in Betracht und selbst viele Israelis, meinte Berthold, „werden nervös und unruhig“. Das sein ein schlechtes Zeichen . Auch die Veränderungen infolge des arabischen Frühlings in den Nachbarländern Israels würden in der Gesellschaft kritisch diskutiert. Letztlich hegten einige die Befürchtung, eine 3. Intifada bahne sich an.

Die Stadt Tel Aviv lädt zur "Creative Energy Tour"


Am Nachmittag des 28. Februars lud die Stadt Tel Aviv zur „Creative Energy Tour“. Hierbei handelt es sich um ein dreiteiliges Konzept, bestehend aus dem Besuch bei einem Start-Up Unternehmen, einem Vortrag zu Tel Aviv als „Global City“ und dem Kulturzentrum Mazeh Tescha.

Camopus Ville:
Zuerst trafen wir uns mit in dem Gründer von Campus Ville in der „ Library Tel Aviv“. Die „Library“ bietet Jungunternehmern die Möglichkeit gemeinsam in einem Großraumbüro im Herzen Tel Avivs ihre eigenen Ideen auszuarbeiten. Durch die zentrale Lage in der Stadtbücherei Tel Avivs, die Unterstützung durch die Stadt Tel Aviv und das Zusammentreffen vieler Entrepreneurs an diesem Ort herrschen optimale Bedingungen für Ausarbeitung der eigenen Start-Up Idee.
Oron Afek der Gründer von campusville.com stellte hier sein Konzept vor. Campusville bietet eine Verknüpfung zwischen Facebook und Universitätsinternen Netzwerken. Studenten haben so die Möglichkeit sich auf effiziente Art und Weise eine Brücke zwischen Freizeit und Universität zu schlagen. Das besondere daran ist allerdings vor allem die Tatsache das Campusville die Möglichkeit bietet das eigene Profil mit Stellenausschreibungen in Verbindung zu bringen und so bei der Suche nach einem Arbeitsplatz nach Universitätsabschluss zu helfen.

Tel Aviv Global City:
Tel Aviv – Global City ist eine auf zehn Jahre angelgte Initiative Israels und der Stadt Tel Aviv die zielgerichtet darauf hinarbeitet der Stadt Tel Aviv ein globales Image zu verordnen und so ihren internationalen Stellenwert zu erhöhen. Im Fokus stehen sowohl die wirtschaftlichen, als auch die kulturellen Aspekte Tel Avivs.
Tel Aviv soll als einzigartige Stadt positioniert werden, gleichzeitig soll nicht nur das Zentrum sondern die Metropolregion Tel Aviv vermarktet werden. Um dies zu erreichen wird versucht das Projekt fest in der Tel Aviver Bevölkerung zu verankern. Anschließend soll nicht nur Tel Aviv sondern ganz Israel von Errungenschaften der Kampagne profitieren. Teil der Bemühungen ist es 2012 zum „Year of Art“ zu ernennen.

Mazeh Tescha:
Ist ein kulturelles Zentrum mitten in Tel Aviv. Benannt ist es nach der Straße in der es angesiedelt ist. Das besondere an seinem Namen liegt in der hebräischen Bedeutung, die in etwa mit „Was ist das?“ zu übersetzen ist.
Mazeh Tescha bietet nicht nur Raum für Ausstellungen oder Vorträge. Vielmehr steht die Entstehung der Kunst im Mittelpunkt. Um diesem Anspruch gerecht zu werden bietet Mazeh Tescha jungen Künstlern Raum um zu arbeiten und vor allem um auch dort zu leben.